Die zweistimmige Invention
Thema, Imitation in der Oktave, Kontrasubjekt, Episoden und tonaler Plan — das Schreiben der Invention im Stil Bachs, hin zum Kontrapunkt des DEM.
1723 fasste Johann Sebastian Bach fünfzehn kurze Stücke (BWV 772–786) zusammen, die er für den Gebrauch seiner Schüler „Inventionen“ nannte — allen voran für seinen Sohn Wilhelm Fr…
À retenir : Eine Invention ist ein Motiv, das man zum Leben erweckt: man stellt es vor, imitiert es in der Oktave, entwickelt es in Episoden und führt es zur Tonika zurück. Ein einziges gut gewähltes Thema genügt, um das ganze Stück zu bauen.
Das Thema, die Imitation und das Kontrasubjekt
Eine zweistimmige Invention ist ein kontrapunktisches Stück, in dem zwei unabhängige Stimmen aus einem einzigen Motiv, dem Thema, einen Dialog führen. Sie ist der direkte Vorläufer der Fuge und der erste Schritt zum Kontrapunkt Bachs, der im DEM verlangt wird.
Das Thema (erzeugendes Motiv)
Das Thema ist das melodische Ausgangsmotiv. Sein Themenkopf (Incipit) — seine ersten Töne, sein Rhythmus und seine charakteristische Kontur — verleiht dem Stück seine wiedererkennbare Identität. Ein gutes Thema ist kurz und einprägsam.
Die Imitation
Die zweite Stimme wiederholt das Thema nach kurzer Verzögerung. Meistens erfolgt die Imitation in der Oktave (manchmal in der Quinte). Es ist die Imitation, die den zweistimmigen Dialog erzeugt.
Das Kontrasubjekt (freie Stimme)
Während die 2. Stimme das imitierte Thema vorträgt, fährt die 1. Stimme mit einem Kontrasubjekt fort — einer wiederkehrenden melodischen Figur, die das Thema begleitet — oder mit einer freien Stimme. Die beiden Stimmen müssen wirklich unabhängig bleiben (Kontrapunkt).